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medienhilfe
Peace Building through Bridges of Communication |
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Das Programm der medienhilfe 2008 Dem EU-Bericht zum Beitrittsprozess zufolge gab es 2008 in den Balkanländern kaum Fortschritte. Schwache demokratische Institutionen, weit verbreitete Korruption und organisiertes Verbrechen, ineffiziente und politisierte Rechtssysteme, schleppende wirtschaftliche und soziale Reformen sind die Hauptprobleme. In Bosnien-Herzegowina gibt es nach wie vor keine Einigkeit zur Verfassungsreform. Die Wahlen in Mazedonien haben die Dominanz der nationalistischen Parteien verstärkt, sodass der politische Dialog weiterhin erschwert wird, der zum effektiven Funktionieren der politischen Institutionen essentiell wäre. Trotz des Wahlsieges des proeuropäischen Blocks in Serbien, bleibt der Beitrittsprozess aufgrund mangelnder Kooperation mit dem Haager Kriegstribunal blockiert. Ein Jahr nach der Unabhängigkeitserklärung hat sich die Situation im Kosovo noch nicht stabilisiert. Der Sicherheitsrat bleibt gespalten in der Frage nach der Rechtmässigkeit der Unabhängigkeit, und zwischen UNMIK und EULEX besteht Unklarheit bezüglich der rechtlichen Zuständigkeiten. Die Unabhängigkeit hat den Alltag der Menschen kaum verbessert und viele sind zunehmend frustriert. Es bestehen nach wie vor starke interethnische Spannungen, die schnell in gewalttätige Konfrontationen umschlagen können. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Kosovo sind tief gespaltene Gesellschaften mit ungelösten staatspolitischen Fragen. Dadurch stellen sie ein Risiko dar für die Stabilität nicht nur der Region, sondern ganz Europas.
Das Westbalkan-Programm: Die medienhilfe unterzeichnete einen Zwei-Jahresvertrag für die Jahre 2007 und 2008 mit der Politischen Abteilung IV (Menschliche Sicherheit) des EDA und erhielt einen Beitrag von 480’000 Euro. Das Programm setzt die bisherige Arbeit fort, konzentriert sich aber vermehrt auf folgende Schwerpunkte: l Medienprojekte im Bereich der Vergangenheitsbearbeitung l Programme zur Förderung von Versöhnung und Demokratisierung l Minderheitenmedien und Minderheitenprogramme in den Mehrheits-Medien l Interethnische, mehrsprachige Koproduktionen Beiträge durch die Kantone Basel-Stadt (30’000 CHF), Bern (20’000 CHF), Luzern und Nidwalden sowie der Stiftung Bevölkerung, Migration und Umwelt (je 1’000 CHF), sowie der H.E.M. Stiftung in Vaduz (40’000 CHF) wurden für die Umsetzung der interethnischen, mehrsprachigen Koproduktionen in Kosovo und Mazedonien eingesetzt. Die in Serbien geleistete Unterstützung konzentrierte sich auf Medienprojekte zur Vergangenheitsbearbeitung. Die medienhilfe unterstützte die Berichterstattung der Nachrichtenagentur BETA vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und mehrere Dokumentarfilme. Arhitel produzierte den Film “Heisses Blut”, der die Zunahme von faschistischen und Neonazigruppierungen in Serbien sowie ihre Verbindungen zu politischen Ideologien und Strömungen thematisierte. Das Human Rights and Documentation Office ging im Film “Verräter und Verbrecher” der Frage nach, was “Patriotismus” im Zusammenhang von Kriegsverbrechen bedeutet. Das grösste Projekt ist der zweiteilige Dokumentarfilm “Das alte Messegelände” von RTV B92. Darin wird die Geschichte eines der grössten Nazi-Konzentrationslager auf dem Balkan nachgezeichnet. Der Film ist Teil einer umfassenden Initiative von B92, auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers ein Museum der Toleranz aufzubauen. In Bosnien-Herzegowina konzentrierte sich die Unterstützung auf professionelle, kritische und unabhängige Berichterstattung in der Serbischen Republik. Das Alternative Fernsehen ATV in Banja Luka ist das am höchsten bewertete Nachrichtenfernsehen und bekannt für seinen professionellen Journalismus. Die wöchentliche Nachrichtensendung “Dossier” gehört zu den beliebtesten. Die medienhilfe ermöglichte die Produktion von 6 Sendungen, in denen u.a. die Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal, lokale Prozesse gegen Kriegsverbrecher, sowie Korruption oder das organisierte Verbrechen thematisiert wurden. Radio Magic in Ostbosnien ist der einzige professionelle Sender dieser Gegend und geniesst hohe Glaubwürdigkeit unter den Zuhörern. Die medienhilfe unterstützte die wichtigsten Nachrichtenprogramme. Unser Programm in Mazedonien ist auf Projekte ausgerichtet, die einen Beitrag zur Kommunikation zwischen mazedonischer Mehrheits- und albanischer Minderheitsbevölkerung leisten. Sieben Fernsehstationen (TV Era, TV Art, TV Zdravkin, TV Vis, TV Tera, TV M, TV Hana) produzierten gemeinsam 22 Episoden der Nachrichtensendung “Mazedonien auf der Hand”, die einzige zweisprachige Sendung, die regelmässig ausgestrahlt wird. Die Förderung interethnischer Kommunikation und Zusammenarbeit, die den Weg hin zu einer friedlichen Koexistenz ebnen soll, bleibt der zentrale Aspekt unserer Arbeit im Kosovo. Dazu gehört die Unterstützung von lokal verankerten Minderheitenmedien. Im Mittelpunkt des Programms stand CerpiK (Cross-ethnic Radio Program in Kosovo), das einzige interethnische Medienprojekt im Kosovo. CerpiK bringt 8 Radiostationen aus allen Teilen des Kosovo zusammen: Contact Plus, K, Kamenica, Yeni Dönem, Kent FM, Peja, Vala Rinore und Mitrovica. 42 Wochensendungen à 30 Minuten in dreisprachiger Ausführung (Albanisch/Serbisch-Bosnisch/Türkisch) wurden produziert und gesendet. Die Themen orientieren sich an den aktuellen Problemen im Kosovo: Zugang zu und Qualität öffentlicher Dienste, Situation der Minderheiten, Rückkehr und Bewegungsfreiheit von Flüchtlingen und Vertriebenen, Arbeitslosigkeit, Stellung der Frauen, Armut usw. Neben CerpiK unterstützte die medienhilfe folgende Radiostationen: Radio Peja, ein albanischsprachiges Radio, das auch ein Programm für die bosniakische Bevölkerung anbietet; Radio K, eine von einem multiethnischen Team - Albanisch, Serbisch, Türkisch, Mazedonisch, Roma - geführte Radiostation; und Radio Contact Plus, das wichtigste serbischsprachige Radio im Nordkosovo. 2008 erhielt die medienhilfe wieder einen Finanzierungsbeitrag vom National Endowment for Democracy NED (147'115 USD) für die Unterstützung lokaler Projektpartner in Serbien (Radio 021, Radio Boom 93, Radio Patak, Radio Ozon, City Radio, OK Radio, Radio Sto Plus), Bosnien-Herzegowina (Radio Magic), Kosovo (Radio K, Radio Contact Plus, Radio Yeni Dönem) und Mazedonien (Radio Plus Forte). Hauptziel dieses Projektes ist, durch Weiterbildung in Medienmanagement und Marketing finanzielle Nachhaltigkeit der beteiligten Stationen zu erreichen, ohne die journalistische Unabhängigkeit und Orientierung am Service public aufzugeben. Die erreichten Resultate sind bemerkenswert: Die Einnahmen stiegen um durchschnittlich 25%, während die Zuhörerzahlen verdoppelt werden konnten. Die medienhilfe wird diesen Projektbestandteil weiter ausbauen, um die Stationen soweit zu unterstützen, dass sie ab 2011 finanziell eigenständig sind. Roma-Medien Das regionale Projekt “Roma Media Co-production Fund” (CpF) wird seit Mitte 2005 mit Unterstützung des Media Program des Open Society Institutes (OSI) in zehn Ländern Ost- und Südosteuropas durchgeführt. Der Beitrag des OSI belief sich in diesem Jahr auf 545’182 USD. Der CpF hat einerseits zum Ziel, auf nationaler und internationaler Ebene die Zusammenarbeit von Roma-Medien mit Mehrheitsmedien zu fördern. Dadurch soll die Medienberichterstattung über Roma verbessert werden und infolge dessen auch die Integration der Roma in die Gesellschaft. Andererseits will das Projekt auch Roma-Medien in ihrer Funktion als Informations- und Bildungsquelle für Roma wie für Nicht-Roma stärken. Kern des Projektes bildet die Unterstützung von Koproduktionen. Je eine Roma- und eine Mainstream-Radio- bzw. TV-Station bewerben sich gemeinsam, auch grenzübergreifend. Ein internationaler Leitungsausschuss wählt die Projekte aus. Die ausgewählten Partner erhalten neben finanzieller Unterstützung für die Koproduktion zusätzlich auch einen Beitrag für die Aufrüstung ihrer Infrastruktur. Damit soll die technische Qualität der Koproduktionen gesichert und eine weitreichende Distribution ermöglicht werden. Die Koproduktionen werden ergänzt durch umfassende capacity building-Massnahmen wie u.a. verschiedene Workshops, Mentoring und Training vor Ort, durchgeführt von erfahrenen und international anerkannnten Medienschaffenden. Der CpF 2007/08 unterstützte sechs TV und fünf Radioprojekte, an denen 20 Roma und Nicht-Roma-Medien aus sechs Ländern beteiligt waren. Insgesamt wurden 34,5 Stunden an TV- und 16 Stunden an Radioprogramm produziert. Vier Radio /TV-Stationen mit nationaler sowie rund 70 mit lokaler und regionaler Reichweite strahlten die Programme aus. Die unterstützten Roma-Medien sind: Roma World Foundation (Bulgarien); Radio Cerenja, Radio Ternipe und TV Sutel (Mazedonien); Democratic Roma Center (Montenegro); TV Tumende (Rumänien); RTV Nisava und Radio Tocak (Serbien) und Roma Press Agency (Slowakei). Am Ende jedes Projektzyklus’ treffen sich die Beteiligten, um Bilanz zu ziehen und Empfehlungen zu erarbeiten. Die wichtigsten Ergebnisse des Evaluationstreffens für den CpF-Zyklus 2007/08 im September 2008 sind: Mit zunehmender Professionalisierung sind die unterstützten Roma-Medien immer besser in der Lage, ihre angestrebte Rolle zugunsten der Roma in der Gesellschaft zu erfüllen. Die durchgehend höhere Qualität der Koproduktionen resultierte in beachtlichen Publikumszahlen und erhöhtem Interesse bei Mainstream-Medien, darunter auch nationale und öffentlich-rechtliche Sender. Insgesamt hörten die Radio-Koproduktionen rund 1,1 Millionen Menschen und die TV-Koproduktionen erreichten rund 3,7 Millionen ZuschauerInnen. Einige der Programme führten dazu, dass Behörden sich aufgrund des öffentlichen Drucks veranlasst sahen, die Situation der Roma in ihren Gemeinden zu verbessern (vgl. Kasten für Beispiele). Trotz positiver Bilanz bestehen auch eine Reihe von Herausforderungen: Infolge der Fokussierung der Roma-Medien auf Koproduktionsprojekte besteht die Gefahr, dass das reguläre Programm vernachlässigt wird. Fragen nach einer möglichen Unterstützung zur Deckung der Grundkosten sowie Massnahmen zur Erhöhung der Nachhaltigkeit sind dringlich und werden im nächsten Zyklus angegangen. Weiter hat sich herausgestellt, dass komplexere TV-Koproduktionen wie Dokumentarfilme oder Kinder-/Jugendsendungen für die meisten Roma-Medien zu anspruchsvoll sind. Vor- zuziehen sind von daher Formate, die in das reguläre Sendeprogramm hineinpassen. Diese Programme eignen sich besser, die Ziele des Projektes zu erreichen. Als weiterer Punkt wurde hervorgehoben, dass in TV-Produktionen die Verwendung der Romani-Sprache - neben der Landessprache - nicht nur zur Integrationsförderung, sondern auch zur Erhaltung der Roma-Kultur beiträgt und daher vermehrt ein zweisprachiger Zugang gesucht werden sollte. Intensives Mentoring und ein gezieltes, auf die Produktionskapazität ausgerichtetes Training vor Ort ergaben gute Resultate. Ein Problem in Bezug auf die capacity building - Massnahmen stellte hingegen bei einigen Roma-Medien die mangelnde Kontinuität dar: Knappe Ressourcen führen zu hoher Personalfluktuation, und ohne institutionelle Unterstützung können diese Medien keine regelmässigen Sendepläne einhalten. Die Massnahmen werden daher auf Trainings ausgeweitet, die strukturelle Schwächen direkt angehen: Management, Werbung, Marketing und Verkauf, Projektmanagement und Fundraising. Der CpF Zyklus 08/09 hat im Herbst 2008 begonnen und beinhaltet die Unterstützung von drei Radio- und fünf TV-Produktionen in Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei. Nahost Der Gaza-Konflikt hat in besonderem Masse gezeigt, wie wichtig unabhängige und objektive Informationen sind. Sowohl in westlichen wie auch in arabischen Medien wurde in grossem Masse Zensur ausgeübt sowie Medienpropaganda betrieben. Gerade Medien spielen aber auch in der palästinensischen Gesellschaft eine zentrale Rolle. Denn die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch Abriegelungen und Belagerungen haben dazu geführt, dass lokale Medien, vor allem das Fernsehen, oft und gerne konsumiert werden. Eine sachliche, unabhängige Berichterstattung wäre deshalb essentiell. Im Jahr 2008 besuchte die medienhilfe im Rahmen der laufenden Vorbereitungen ihres Nahost-Programmes Israel und das Westjordanland, um den Kontakt mit potentiellen Projektpartnern aufrecht zu erhalten und mögliche weitere Kooperationen zu beurteilen. Zugleich traf die medienhilfe in Jerusalem Vertreter der DEZA sowie des DCAF (Center for Democratic Control of Armed Forces). Ziel der Treffen war es, Informationen zur aktuellen Lage in der Region einzuholen und sich auszutauschen sowie über eine zukünftige Zusammenarbeit zu sprechen. Eindrücke und Ergebnisse der Reise wurden ins aktuelle Nahost-Programm aufgenommen. |
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